
Landschafts- und Naturfotografie aus den Schweizer Alpen
Dominik Kobler
Fotografie
Der Säumerweg von Avers nach Soglio

Avers Juppa at Sunset
Der Säumerweg ist eine der eindrücklichsten Höhenwanderungen Graubündens. Er führt von Avers über den Bergalgapass hinunter nach Soglio im Bergell, und damit auf einer jahrhundertealten Handelsroute von der Schweiz nach Italien. Wir nehmen dich mit auf die rund 7-8-stündige Wanderung, vorbei an Alpweiden, Murmeltieren, kristallklaren Bergseen auf über 2800 Metern und einem Landschaftswechsel, der innerhalb weniger Schritten aus kargem Fels Kastanienwald macht.
Vorbereitung und Anreise
Wir haben unser Auto in Thusis stehen lassen, für rund 9 CHF pro Tag kannst du hier dein Auto im Parkhaus direkt beim Coop stehen lassen. Mit dem Postauto sind wir mit einem kurzen Halt in Andeer bis nach Avers gefahren. Dort haben wir übernachtet, um am nächsten Morgen ausgeruht in die Wanderung zu starten. Wer die Route ohne Auto plant, kommt so entspannt an den Ausgangspunkt, ohne sich um die Rückfahrt zum Fahrzeug kümmern zu müssen, das Postauto bringt dich direkt vor Ort.

Den Sonnenunterang mit Blick ins Bergalgatal geniessen.
Der historische Säumerweg
Der Name der Route stammt nicht von ungefähr. Jahrhundertelang trugen Säumer hier zu Fuss Gewürze, Seide und Wein von Italien in die Schweiz, nur mit Maultieren und viel Ausdauer. Wo heute Wanderer unterwegs sind, verlief einst ein wichtiger Handelsweg zwischen den Kulturen nördlich und südlich der Alpen.

Blick ins Bergalgatal
Fazit und Rückreise
Der Säumerweg von Avers nach Soglio ist mehr als eine Bergwanderung, er ist eine Reise durch Geschichte, Kultur und Landschaft zugleich. Von der stillen Abgeschiedenheit des Averstals über die Einsamkeit des Bergalgapasses bis zum mediterranen Charme von Soglio liegt eine Vielfalt, die man auf Schweizer Boden selten auf einer einzigen Etappe findet. Wer Ausdauer, gutes Schuhwerk und genug Verpflegung mitbringt, wird mit einem der eindrücklichsten Übergänge der Alpen belohnt.
Praktische Infos auf einen Blick:
- Route: Avers – Bergalgapass – Soglio
- Gehzeit: ca. 7-8 Stunden
- Höchster Punkt: ca. 2800 m (Bergalgapass)
- Höhenmeter im Aufstieg: ca. 800 m
- Schwierigkeit: mittel-schwierig
- Anreise: Mit dem Postauto bis Avers (Auto z. B. in Thusis stehen lassen), dann von Soglio aus wieder mit dem Postauto zurück nach St. Moritz und von dort aus mit dem Zug nach Thusis.
- Verpflegung: keine Einkehrmöglichkeit unterwegs, genug Wasser und Essen mitnehmen
Der Aufstieg zum Bergalgapass
Nach rund einer Stunde gemütlicher Wanderung durchs Bergalgatal treffen wir beim Alpbeizli Hinterbergalga, sie ist die letzte Alp auf der Route mit der Möglichkeit etwas zu konsumieren. Danach folgt bis Soglio keine weitere Einkehrmöglichkeit mehr. Wer die Etappe geht, sollte daher genug Wasser und Verpflegung für den ganzen Tag einpacken.
Der Aufstieg selbst verlangt Kondition: Rund 800 Höhenmeter führen hinauf zum Bergalgapass auf etwa 2800 Metern, erreichbar nur zu Fuss. Eine kürzere Alternative gibt es kaum, die Route lässt sich nicht wirklich abkürzen. Oben auf dem Pass liegt einer der schönsten Momente der ganzen Wanderung: ein kristallklarer Bergsee auf über 2800 Metern, umgeben von schroffem Fels. Von hier aus eröffnet sich der Blick hinunter ins Bergell, und man spürt bereits, dass sich mit dem nächsten Schritt eine andere Welt öffnet.

Bergalgapass mit Blick auf den Lägh da la Caldera
Der Abstieg nach Soglio
Auf der Südseite des Passes verändert sich die Landschaft fast schlagartig. Aus kargem Fels wird Kastanienwald, aus Schweizerdeutsch wird Italienisch. Das Bergell beginnt, und mit ihm eine völlig andere Architektur: Steinhäuser mit dunklen Holzbalkonen, schmale Gassen und feine Spezialitäten.
Soglio selbst wurde zu einem der schönsten Bergdörfer der Schweiz gekürt, und nach dieser Wanderung versteht man, warum. Das Dorf liegt wie eine Terrasse über dem Bergell, mit Blick auf den markanten Piz Badile.

Der Abstieg vom Bergalgapass ins Bergell


Die Kirche von Soglio
Ausblick auf das Bergdorf Soglio